COURGENAY - JU - Die Stiftung Gilberte de Courgenay, Trägerin des gleichnamigen historischen Hotels, steht vor dem Konkurs: Stifter Moritz Schmidli hat 88-jährig genug von jahrelanger Geldsuche. Er will jetzt aussteigen und fordert von einem 1-Million-Darlehen die Hälfte zurück.
Schon vor zwei Jahren stand die Stiftung vor dem Ende, weil Schmidli nicht auf seine gesamten zur Verfügung gestellten Mittel verzichten, sondern einen Teil für seinen Lebensabend verflüssigen wollte. Die jurassische Stiftungsaufsicht zweifelte damals, ob die Stiftung nach einem solchen finanziellen Aderlass noch überlebensfähig wäre.
Inzwischen mag Schmidli nicht mehr Klinken putzen, hoffen und warten: Er will jetzt die Stiftung gerichtlich auflösen lassen, was den Konkurs zur Folge haben dürfte, wie aus seinem Schreiben hervorgeht. Abzuwenden sei dies nur, wenn jemand 500'000 Franken einschiesst und die aufgelaufenen Anwaltskosten übernimmt.
Das Hotel der legendären Gilberte ist laut Schmidli weiterhin offen. Im Falle eines Konkurses würde es samt Einrichtung verscherbelt. Den Buchwert der Liegenschaft beziffert er - Stand 2011 - auf 1,45 Millionen Franken. Für die 2001 abgeschlossene Sanierung habe man ihn nach einem Darlehen für eine Dauer von acht Jahren gebeten, hält er fest. Der Baselbieter lebt heute im Tessin.
Weltkriegs-Mythos
Das Hôtel de la Gare, in dem die Wirtstochter servierte, die Wehrmänner während der Grenzbesetzung aufmunterte und zur Soldaten-Ikone wurde, schloss 1997. Das Restaurant hatte damals nicht mehr rentiert, und der Kanton Jura hatte offenbar kein Geld, um die in der Deutschschweiz populäre Stätte weiterzuführen.
In Courgenay wurde dies bedauert, und die Stiftung wurde gegründet. Der nach eigenen Angaben «angefressene Gilberte-Fan» Schmidli gab der Stiftung für Kauf und Sanierung des Hauses 750'000 Franken à fonds perdu, später zudem das Darlehen von gut einer Million Franken. Die Sanierungskosten hätten knapp zwei Millionen Franken betragen. Seit 2001 ist das Hotel wieder offen.
Berühmt geworden ist das Hôtel de la Gare im 2000-Seelen-Dorf Courgenay in der Ajoie durch den Film «Gilberte de Courgenay» von 1941, der zur Moral der Soldaten im Zweiten Weltkrieg beitragen sollte. Schon 1917 hatte zudem der Urner Hans in der Gand das Lied über die «Petite Gilberte» komponiert.
Doch Gilberte ist nicht blosse Legende: Gilberte-Elisa Montavon, wie sie mit vollem Namen hiess, lebte von 1896 bis 1957 und war eine der Töchter des Wirtes im Hôtel de la Gare. (SDA)
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