Frank A. Meyer: Gerecht und ungerecht

Written By Unknown on Minggu, 06 Oktober 2013 | 14.44

Der Satz hats in sich: «So etwas erfinden nur Leute, die sich nie in einem Arbeitsumfeld bewegt haben.» Formuliert hat ihn Heinz Karrer, der neue Präsident von Economiesuisse. Er stellt damit die Ini­tianten von 1:12 in die Ecke: «Leute», die noch nie gearbeitet haben und deshalb auch nicht wissen, wovon sie reden.

So einfach ist das. So herablassend. So abschliessend. Was gäbe es da noch zu sagen? So einiges.

Was meint Karrer mit dem Begriff «Arbeitsumfeld»? Meint er das Arbeitsumfeld, in dem für Minimallöhne geschuftet wird, die knapp oder nicht einmal das Minimum einer bescheidenen Existenz abdecken? 329000 Büezer, so hat der BLICK publiziert, verdienen in der reichen und teuren Schweiz monatlich weniger als 4000 Franken, sie darben also.

Dieses Arbeitsumfeld kann Karrer nicht meinen, denn davon hat er selber keine Ahnung. Davon haben allerdings sehr viele andere eine Ahnung, die sich in diesem – sagen wir mal: «Lohnumfeld» abrackern, und die deshalb die Initiative 1:12 durchaus als einen Schritt zu mehr Lohngerechtigkeit betrachten.

Wenn der Economiesuisse-Präsident aber nicht das Arbeitsumfeld ganz unten meint, dann meint er das Arbeitsumfeld ganz oben, von dem der Manager Karrer tatsächlich mehr Ahnung hat als die jungsozialistischen 1:12-Initianten. Es ist das – sagen wir mal: «Gehaltsumfeld» von Führungskräften an der Spitze der Firmen, die sich dort Einkommensmillionäre leisten können; es sind also meist international operierende und börsenkotierte Unternehmen. 

Für diesen wohlbestallten Club, in dem man sich die Gehaltsmillionen auch schon mal zwischen zwei Löchern auf dem Golfplatz zuspielt, macht Heinz Karrer Bürgerinnen und Bürger verächtlich, die sich hinter dem Banner 1:12 scharen. Man hätte es von Economiesuisse ein wenig intelligenter erwartet, zumal nach deren einfältiger Kampagne gegen die Abzocker-Initiative.

Immerhin gibt es ja gute Argumente gegen das Regelwerk, das die linken Linken den topsten Topmanagern auferlegen wollen. Zum Beispiel den Hinweis darauf, dass sich die Schweiz als kompetitivste Wirtschaftsnation der Welt mit ihrem Gehaltsgefüge für global operierende und international erfahrene Spitzenkräfte nicht einfach hinter die sieben

Berge zurückziehen kann. So unsympathisch manche dieser Söldnerführer auch daherkommen mögen, sie können sehr oft etwas, sind daher auch nicht einfach ersetzbar durch Direktoren, die sich mit einer halben Million pro Jahr bescheiden.

Die Weltwirtschaft, die eben auch und gottlob gerne in unserem Land pulsiert, lebt mit anderen Manager-Ansprüchen als Tausende KMU zwischen Romanshorn und Genf. Ob diese Ansprüche zu Recht oder zu Unrecht

bestehen? Es ist einfach so. Soll die Schweiz solche Firmen vertreiben oder abschrecken?

Sicher, damit ist die Frage der Gerechtigkeit von drei oder sieben oder zehn oder noch mehr Millionen Franken Gehalt nicht beantwortet. Auch dazu liefert Economiesuisse-Präsident Karrer einen Satz: «Gerechtigkeit ist extrem subjektiv.»

Was hat er nun damit wieder gemeint? Dass Gerechtigkeit gesellschaftlich oder politisch nicht feststellbar sei? Nun, Gerechtigkeit ist wirklich schwer zu definieren, gerade in Gelddingen. Ganz anders aber verhält es sich mit Ungerechtigkeit. In seinem kapitalismuskritischen Buch «Sabotage» schreibt der Journalist Jakob Augstein dazu Erhellendes:

«Es ist den Menschen eine Idee der Ungerechtigkeit eingeschrieben. Es geht bei der Tugend der Gerechtigkeit weniger darum, einen gerechten Zustand herzustellen, als einen ungerechten abzustellen. Die Abwesenheit von Ungerechtigkeit ist schon die Gerechtigkeit.»

In diesem Lichte betrachtet müsste sich Heinz Karrer vielleicht doch einmal mit dem Arbeitsumfeld der Menschen vertraut machen, deren Lohn gerade noch das Nötigste deckt, wenn überhaupt.

Damit wären wir beim gesetzlichen Mindestlohn. Auch dazu gibt es eine linke Volksinitiative. Nicht für Gerechtigkeit ganz oben, sondern gegen Ungerechtigkeit ganz unten.

Dieses Volksbegehren stellt unausweichlich konkret die Frage: Welchen Kapitalismus wollen wir? Einen, der die Menschen mitnimmt? Oder einen, der sie abhängt, ausgliedert?

Das wäre dann die Debatte über die Kultur des Systems: Kapitalismus mit menschlichem Antlitz? Oder Kapitalismus mit marktradikaler Fratze?

Der Kommunismus hat es nie geschafft, sich ein menschliches Antlitz zu geben. Der Kapitalismus schafft das, wenn die Protagonisten der Wirtschaft endlich verstehen, dass kapitalistische Kultur mehr ist als die Unterwerfung aller Lebensbereiche unter die Logik von Markt und Profit. 


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