Nahost: Erstmals israelischer Soldat getötet

Written By Unknown on Jumat, 18 Juli 2014 | 17.03

Tel Aviv/Gaza/Kairo – Israel hat seine Offensive im Gazastreifen drastisch ausgeweitet und Bodentruppen in das dicht besiedelte Palästinensergebiet geschickt. Erstmals wurde ein israelischer Soldat getötet, die palästinensische Seite hat jedoch viel mehr Opfer zu beklagen.

Etwa 20 Palästinenser wurden nach Angaben der Rettungsbehörden in Gaza seit dem Beginn der Offensive gegen die radikal-islamische Hamas am Donnerstagabend getötet. Darunter seien auch Kinder.

Die tödlichen Angriffe ereigneten sich demnach in Rafah, Chan Junis und Beit Hanun. Die Gesamtzahl der palästinensischen Todesopfer stieg seit Beginn der Luftangriffe auf 260.

Erstmals seit Anfang der Offensive im Palästinensergebiet vor elf Tagen kam auch ein israelischer Soldat ums Leben. Die Armee teilte mit, er sei bei Kämpfen im Norden des Gazastreifens getötet worden.

Israel will mit der Bodenoffensive nach eigenen Angaben den ständigen Raketenbeschuss seines Staatsgebietes unterbinden. Für die Raketenangriffe auf Israel sind militante Gruppen im Gazastreifen verantwortlich. Darüber hinaus will die Armee im kleinen Palästinensergebiet am Mittelmeer ein weit verzweigtes Tunnelsystem zerstören.

Armeesprecher Arje Schalikar erklärte, die Soldaten seien im Einsatz, um die «Infrastruktur» der Hamas anzugreifen. Am Morgen teilte die Armee mit, die aus Infanterie, Panzertruppen, Pionieren und Aufklärungseinheiten zusammengesetzten Verbände hätten in der Nacht 20 verborgene Raketenwerfer zerstört und 9 Tunnel angegriffen. Insgesamt seien bis dahin 103 «Terrorziele» attackiert worden.

Und ein Abbruch der Offensive ist nicht in Sicht: Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, Israel sei bereit, die Offensive «erheblich» auszuweiten. Er habe angeordnet, dass sich die Armee entsprechend darauf vorbereite, sagte Netanjahu vor Beratungen mit Regierungsmitgliedern, die über den Einsatz entscheiden.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas äusserte sich nach einem Bericht der palästinensischen Nachrichtenagentur «Wafa» zutiefst besorgt über die jüngste Entwicklung. Die Bodenoffensive werde die Bemühungen um eine Waffenruhe weiter erschweren, sagte Abbas in Kairo.

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte, er bedauere, dass «ein bereits gefährlicher Konflikt nun noch weiter eskaliert ist». Israel müsse nun noch «weit mehr tun, um zivile Opfer zu vermeiden».

US-Aussenminister John Kerry forderte in einem Telefonat mit Premierminister Netanjahu, die Bodenoffensive müsse sich «zielgerichtet» gegen die Tunnel richten. Eine «weitere Eskalation» der Lage müsse vermieden und der Waffenstillstand von 2012 «so schnell wie möglich» wieder hergestellt werden.

Auch die in dem Konflikt vermittelnde ägyptische Regierung verurteilte die weitere Eskalation des Konflikts, kritisierte aber vor allem die Islamisten der Hamas: «Hätte die Hamas die ägyptischen Vorschläge akzeptiert, wäre seitdem das Leben Dutzender Palästinenser verschont geblieben», sagte Aussenminister Samech Schukri.

Kairo hatte am Dienstag Pläne für einen Waffenstillstand vorgelegt, die von Israel akzeptiert und von der Hamas abgelehnt wurden.

In der Türkei kam es zu Protesten gegen die Bodenoffensive im Gazastreifen. Demonstranten griffen die diplomatischen Vertretungen Israels in Istanbul und Ankara an und warfen Scheiben ein. In Istanbul setzte die Polizei Tränengas und Wasserwerfer ein. In Ankara griffen die Beamten nicht ein. (SDA)


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