Die Angst um seine Familie lässt Alpha B.* (26) nicht los. Sie ist da, wenn er morgens aufwacht, aber auch, wenn er bei der Arbeit ist. Oder abends im Bett liegt. «Ich mache mir grosse Sorgen. Meine Schwester lebt in Guinea in Westafrika. Mitten im Ebola-Gebiet in der Hauptstadt Conakry. Auch meine Eltern leben im Land», sagt der gelernte Maler aus Solothurn.
Guinea ist eines der Länder, in dem das Ebola-Virus am schlimmsten wütet. Tausende Menschen sind bereits gestorben. Täglich werden es mehr. Die medizinische Versorgung ist dürftig. Für Guinea und die Nachbarländer Sierra Leone und Liberia gilt die höchste Alarmstufe. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) schrieb vor einigen Tagen gar tausend in der Schweiz lebende Westafrikaner an und mahnte sie zur Vorsicht.
Post hat auch Alpha B. bekommen. «Ich bin froh, dass sich das BAG um uns kümmert», sagt der Guineer, der seit fünf Jahren mit einer Schweizerin verheiratet ist. Die beiden haben einen vierjährigen Sohn.
«Die Vorsichtsmassnahmen bestärken mich nur, nicht ins Land zu reisen. Ich habe meinen Eltern auch ein paar Tipps gegeben, wie sie sich vor Ort verhalten sollten. Denn die Aufklärungsarbeit im Land ist ungenügend», sagt Alpha B. Zudem haben die Behörden in seiner Heimat die Gefahr lange unterschätzt.
Besonders sorgt sich Alpha B. um seine Schwester. «Sie ist tapfer. Trotzdem spüre ich während unserer Telefongespräche, wie sehr sie sich fürchtet. Sie geht selten aus dem Haus. Und wenn, dann nur zum Einkaufen. Grossanlässe vermeidet sie komplett», sagt der Guineer, der seine Familie seit zehn Jahren nicht mehr gesehen hat.
Von den schlimmen Zuständen in seiner Heimat weiss auch der Liberianer Steven C.* zu berichten. Er lebt in der Ostschweiz. Sein Bruder bleibt trotz des grassierenden Virus in seinem Haus in Liberia. Zu gross sei seine Angst vor Plünderern.
«Die Situation ist ähnlich wie damals während des Bürgerkriegs. Leer stehende Häuser werden besetzt», erzählt Steven C. Auch er hat seit Wochen Angst, sein Heimatland zu besuchen. «Die Situation dort ist furchtbar. Die ganze Herzlichkeit der Liberianer ist verloren gegangen. Unsere Begrüssungsrituale, die Küsschen und Umarmungen, fehlen. Keiner traut sich mehr, dem andern die Hand zu reichen.»
Grosse Sorgen macht sich Steven C. auch um seinen Neffen. Der Schüler lebt seit Tagen unter Quarantäne. Aus Angst vor weiteren Ansteckungen liess die Regierung in Liberia sämtliche Schulen schliessen. «Eigentlich sollten die Schüler seit zwei Monaten zu Hause bleiben. Aber Sie können ein Kind schlecht 24 Stunden am Tag einsperren!», sagt Steven C. «Es fehlt an allem. Die Menschen in Westafrika brauchen dringend Medikamente und Handschuhe. Die Situation ist unerträglich.»
Ungemütlich wird es auch für die Afrikaner in der Schweiz, fürchtet Celeste D. Ugochukwu, Präsident des Afrika-Diaspora-Rats Schweiz. «Das Misstrauen wird wachsen. Und sollte es zu ersten Fällen von Ebola-Erkrankungen in der Schweiz kommen, wird man die Schwarzen erst recht ächten. Schon heute halten uns viele pauschal für kriminell», sagt Ugochukwu. Bislang blieben solche Reaktionen in seinem Umfeld glücklicherweise aus.
Auch Familienvater Alpha B. spürt bisher in der Schweiz noch keine Anfeindungen wegen Ebola. «Ich habe viele Schweizer Freunde und spiele hier in einem Fussballverein», sagt er. «Ich hoffe nur, dass das auch so bleibt.»
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Westafrikaner in der Schweiz: «Ich mache mir grosse Sorgen um meine Familie»
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